www.onkologie.hexal.deHormontherapie bei Krebs
Einige Tumore verwenden körpereigene Hormone für ihr Wachstum
Die Therapie wird fälschlicherweise von vielen Fachleuten als
Hormontherapie bezeichnet. Da aber die Bildung der Hormone unterdrückt
bzw. ihre Wirkung verringert wird, müsste von einer Antihormontherapie
gesprochen werden. So kann der Hormonentzug von Behandlungsverfahren
unterschieden werden, bei denen (fehlende) Hormone als Medikament eingesetzt
werden, wie z.B. die Insulingabe nach Entfernung der Bauchspeicheldrüse.
Hormone sind Botenstoffe des Körpers, die in der Lage sind, verschiedene
Stoffwechselwege in Gang zu bringen. Allerdings reagieren nur die Zellen
auf Hormone, die spezielle Empfängermoleküle, so genannte
Hormonrezeptoren. Hormon und Rezeptor verhalten sich wie Schlüssel
und Schloss: Nicht jedes Hormon passt an jeden Rezeptor.
Die Tumore,
die mit Hilfe der Antihormontherapie behandelt werden können,
weisen Rezeptoren auf, an die die Hormone binden können. Dadurch
kommt es zum Wachstum und zur Ausbreitung des Tumors. Durch die Therapie
wird der hormonell bedingte Wachstumsreiz ausgeschaltet und so das
weitere Wachstum des Tumors und möglicher Metastasen verlangsamt.
Eine antihormonelle Therapie kann auf verschiedene Weisen in das Wachstum
des Tumors eingreifen: Zum einen besteht die Möglichkeit, das
Binden des Hormons an den Rezeptor zu verhindern und zum anderen kann
die Bildung des Hormons durch Eingreifen in den hormonellen Regelkreis
ausgeschaltet werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Tumore
selbst Hormone bilden und an ihre Umgebung abgeben. Diese werden dann
endokrine Tumore genannt und können mit Hilfe von gegensätzlich
wirkenden Medikamenten gelindert werden.
Wie werden Hormone gebildet und wie wirken sie?
Hormone werden in Drüsen gebildet. Dazu gehören zum Beispiel
bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion
des Insulins verantwortlich sind, aber auch die Keimdrüsen, die
die Bildung der Geschlechtshormone beeinflussen. Zu den Drüsen
gehört aber auch die Schilddrüse, die verschiedenste Hormone
bildet. Die Drüsen geben die Hormone in den Raum zwischen den
Zellen ab, der von kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren
durchzogen wird. Durch die Kapillarwände gelangen die Hormone
in den Blutkreislauf und verteilen sich im ganzen Körper.
Durch
Bindung der Hormone an die entsprechenden Rezeptoren am Organ wird
eine Signalkette in Gang gesetzt und eine Reaktion ausgelöst.
Nachdem die Hormone ihre Aufgabe erfüllt haben, werden sie abgebaut,
damit eine dauerhafte Wirkung verhindert wird.
Die Produktion der Hormone
ist streng reguliert, nur eine genau festgelegte Hormonmenge darf im
Blut vorhanden sein. Schon geringste Abweichungen des Hormonspiegels
können gravierende Folgen für den Organismus haben. Komplexe
Regelkreise stellen deshalb sicher, dass die Hormonbildung und –ausschüttung
nur dann erfolgt, wenn eine bestimmte Reaktion des Körpers erforderlich
ist.
Im Zentrum dieses Steuerungssystems steht vorwiegend der im Zwischenhirn
gelegene Hyppothalamus. Dieser sammelt über benachbarte Hirnregionen
Informationen aus der Umgebung und dem Körperinneren und wertet
diese aus. Entsprechend der eingehenden Signale setzt er bestimmte
Botenstoffe frei, wie etwa die so genannte Gonadoliberine (GnRH oder
LHRH) zur Bildung der Geschlechtshormone. Gonadoreline wirken zur Freisetzung
von Hormonen anregend oder hemmend auf die nachgeschaltete Hirnanhangsdrüse,
die Hypophyse. Zur Produktion der Schilddrüsenhormone schüttet
der Hypothalamus das Steuerungshormon TRH (Thyreotropin-Releasing Hormon)
aus. Je nach hormoneller Reizung entlässt die Hypophyse ihrerseits
Botenstoffe, die wiederum die untergeordneten Hormondrüsen beeinflussen:
Luteinisierendes (LH) und follikelstimulierendes Hormon FSH wirken
auf die Geschlechtsdrüsen (Eierstöcke, Hoden) , das Thyroidea-Stimulierende-Hormon
TSH auf die Schilddrüse. Die Hormondrüsen selbst bilden das
letzte Glied in der hormonellen Produktionskette; sie entlassen die
gebildeten Hormone ins Blut, die ihre Wirkung direkt an den Zielorganen
entfalten. Zu diesen so genannten peripheren Hormonen zählen beispielsweise
die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3),
die Sexualhormone Östrogen, Progesteron und Testosteron, aber
auch Insulin und Glukagon der Bauchspeicheldrüse.
Um einen zu
hohen Hormonspiegel im Blut zu vermeiden, steuern die Hormone ihre
Produktion selbst: In erhöhter Menge wirken sie hemmend auf den
Hypothalamus und verhindern so ihre eigene Bildung. Dieser Effekt wird
auch negative Rückkopplung genannt.





