www.onkologie.hexal.deHormontherapie bei Krebs
Möglichkeiten der Hormonblockade
Die meisten Tumore, die
mit Hilfe eine Antihormontherapie behandelt werden können, sind
die, deren Wachstum von Geschlechtshormonen abhängig ist. Früher
mussten häufig die Geschlechtsorgane entfernt werden, um das Tumorwachstum
zu unterbinden. Heute sind auch medikamentöse Maßnahmen möglich.
Diese haben den Vorteil, dass die Wirkung nach Absetzen der Medikamente
reversibel ist.
Ein Beispiel der medikamentösen Hormonblockade sind
die GnRH-Analoga. Diese sind synthetisch hergestellten Hormone entsprechen
in ihrem Aufbau den natürlichen Hormonen, die vom Hypothalamus gebildet
werden. GnRH wirkt auf die Hypophyse, die wiederum die Bildung von FSH
und LH stimuliert. Daraus folgt, dass bei der Frau Östrogen und
beim Mann Testosteron gebildet wird. Wird dem Patienten ein GnRH-Analogon
verabreicht, steigt die Konzentration an GnRH im Organismus stark an,
wodurch GnRH-Rezeptoren in der Hypohyse verloren gehen. Dadurch kann
kein GnRH mehr binden, so dass keine Hypophysenhormone (LH und FSH) und
somit auch kein Östrogen und Testosteron gebildet wird. Dem Tumor
steht somit das notwendige Hormon nicht mehr zur Verfügung.
Eine
andere Möglichkeit der Hormonblockade besteht in der Verabreichung
von Antihormonen. Dies sind Substanzen, die anstelle der körpereigenen
Hormone an die Rezeptoren binden. Im Falle der Antiöstrogenen spricht
man auch von „selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM).
Ein wichtiger Östrogen-Gegenspieler ist Tamoxifen, das in Brustkrebszellen
die Östrogenwirkung unterdrückt und die weitere Vermehrung
der betroffenen Tumorzellen verlangsamt.
So genannte Aromatasehemmer
vermindern die Östrogenproduktion, in dem sie das dazu benötigte
Enzym blockieren: die Aromatase. Die Gabe von Aromatasehemmern kann dazu
dienen, das Wachstum hormonempfindlicher Brusttumoren zu verlangsamen.
Die Aromatase kommt auch im Fettgewebe und in der Muskulatur vor. Demzufolge
wird Östrogen auch in geringen Mengen nach den Wechseljahren, wenn
die Eierstöcke ihre Funktion bereits eingestellt haben, gebildet.
Aromatasehemmer wirken bei Frauen vor den Wechseljahren, wenn die Eierstöcke
noch funktionstüchtig sind, allerdings in einer anderen Weise als
bei Frauen nach der Menopause: Wird die Aromatase gehemmt, solange die
Eierstöcke noch aktiv sind, erhält die Hypophyse eine entsprechende
Rückmeldung: Sie stimuliert daraufhin vermehrt die Eierstöcke
und bewirkt so einen Anstieg des Aromatase- und damit auch Östrogenspiegels.
Deshalb ist die Gabe eines Aromatase-Hemmerss bei Frauen vor der Postmenopause
kontraindiziert. Sie werden nur bei Brustkrebs in der Postmenopause eingesetzt.
Die Aromatasehemmer können in steroidale und nicht steroidale Aromatasehemmer
unterteilt werden und unterscheiden sich in ihrer Struktur und ihrer
Wirkdauer. Die nichtsteroidalen Aromatasehemmer hemmen das Enzym reversibel,
so dass die Wirkung nach einiger Zeit endet, wohingegen die steroidalen
das Enzym irrversibel hemmen. Das bedeutet, dass erst neue Aromatasen
nachgebildet werden müssen, um Östrogene bilden zu können.
Diese Wirkung dauert länger an. Bei den Gestagenen handelt es sich
ebenfalls um weibliche Sexualhormone, die vom Körper selbst gebildet
werden. Sie werden zur Behandlung der hormonabhängigen Brusttumore
eingesetzt, da sie die Bildung von Östrogen und die Zahl der Östrogenrezeptoren
verringern.





