www.onkologie.hexal.deProstatakrebs - Behandlung
"Watchful Waiting"
Wenn das Prostatakarzinom langsam wächst und sich in einem frühen Stadium befindet, muss eine Behandlung nicht in jedem Fall zwingend notwendig sein. Weiterhin kann eine Therapie bei älteren Männern unter Umständen nicht ratsam sein, da mit anderen ernsten medizinischen Problemen zu rechnen ist. Der Arzt kann hier das sogenannte "watchful waiting", also ein "wachsames Abwarten", vorschlagen. Dies bedeutet regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Patienten und die Behandlung eventuell später auftretender Symptome.
Chirurgie (Radikale Prostatektomie)
Die Radikaloperation ist eine übliche Behandlungsmethode für die frühen Stadien des Prostatakarzinoms. Vorrangiges Ziel dieses Eingriffes ist es den Betroffenen zu heilen. Bei der radikalen Operation (radikale oder totale Prostatektomie) werden die gesamte Prostata mit einem Rand umliegenden Gewebes, die Samenblasen, die Samenleiter, einem Teil des Blasenhalses sowie – wenn notwendig – die
benachbarten Lymphknoten entfernt.
Es kommt sinnvollerweise nur bei denjenigen Patienten eine radikale
Entfernung der Prostata in Frage, bei denen der Tumor die Organgrenzen
(Prostatakapsel) noch nicht überschritten hat, da sonst unweigerlich Krebszellen im Körper
verbleiben.
Strahlentherapie
Die Bestrahlung stellt eine weitere, seit langem bekannte Möglichkeit
dar, das Prostatakarzinom zu behandeln.
In frühen Stadien des Prostatakarzinoms kann die Strahlentherapie den chirurgischen
Eingriff ersetzen; sie kann aber auch nach einer Operation angewandt werden,
um eventuelle Resttumorzellen im Bereich des Operationsgebietes zu zerstören.
In fortgeschrittenen Stadien kann die Strahlentherapie zur Linderung von Schmerzen
oder anderen Problemen eingesetzt werden.
Die Strahlung kann als äußere (externe) oder innere (interne) Bestrahlung eingesetzt
werden. In Einzelfällen werden Patienten sowohl
extern als auch intern bestrahlt.
Die externe Strahlung wird von außen durch eine Apparatur gezielt
auf den Körper gerichtet.
Die Prostata liegt im Körper zwischen Blase und Darm. Beide Organe sind sehr
strahlenempfindlich, weshalb die Bestrahlungsbehandlung besonders sorgfältig
erfolgen muss. Hierfür wird vor dem eigentlichen Bestrahlungsbeginn ein Computertomogramm
angefertigt. Mittels dreidimensionaler Berechnung wird dann die günstigste Technik
ermittelt. Die Strahlentherapie selbst nimmt mehrere Wochen in Anspruch, wobei
jedes Mal nur wenige Minuten bestrahlt wird - hierdurch kann sich das gesunde
Gewebe zwischenzeitlich besser erholen. Die Therapie lässt sich meist ambulant
durchführen.
Die permanente Seed Brachytherapie (Interne Bestrahlung), auch bekannt
als "Seed
Implantation" oder "Prostata Spickung", ist das Einsetzen
von schwach radioaktiven, etwa reiskorngroßen Titanstiften durch feine
Nadeln hindurch in die Prostata – also ohne Schnittoperation!
Es
wird eine genau berechnete hohe Strahlendosis direkt in der
Prostata verabreicht. Da die Strahlung nur wenige Millimeter weit
reicht, vermindert dies die Strahlenbelastung für das umgebende
Gewebe ganz erheblich, so dass weniger Nebenwirkungen auftreten.
Der Grundgedanke der permanenten Seed Brachytherapie
(auch low dose rate (LDR) Brachytherapie genannt) liegt darin,
dass die lokale Anwendung der Strahlenquelle eine noch höhere
Herddosis in der Prostata unter gleichzeitig weitgehender Schonung
des umliegenden Gewebes ermöglicht. Es muss nicht erst
durch gesundes Gewebe gestrahlt werden, um den Tumor zu erreichen.
Während die Strahlung mit der Zeit abnimmt, verweilen die kleinen
Titanstifte problemlos in der Prostata. Die Brachytherapie kann
alleine oder in Kombination mit Hormontherapie oder äußerer
Bestrahlung durchgeführt werden. Meist handelt es sich nur um
eine kurze stationäre Behandlung, es können direkt anschließend
alle körperlichen Aktivitäten wieder aufgenommen werden.
Die Seed Brachytherapie wird auch "Permanente low dose rate
(LDR) Brachytherapie" genannt, weil die schwach radioaktiven
Seeds in der Prostata verbleiben, auch nachdem die Strahlung
nach etwa einem Jahr vollständig abgeklungen ist. Im Gegensatz
hierzu handelt es sich bei der sogenannten "high dose rate (HDR)
Brachytherapie" um ein nicht permanentes Verfahren, wobei ein
strahlendes Element durch in die Prostata eingelegte Schläuche
meist in mehreren Sitzungen herein und wieder heraus gefahren
wird. Die Schläuche werden nach Abschluss der Bestrahlung
wieder entfernt. Die Einzeldosis dieser HDR Brachytherapie ist höher
und ist meist kombiniert mit einer mehrwöchigen externen Strahlentherapie.
Chemotherapie
In der Behandlung des Prostatakrebses wird die Chemotherapie heute angewendet, wenn der Tumor nicht mehr auf die Prostata
beschränkt ist und trotz Hormontherapie nicht unter Kontrolle
gebracht werden kann. Für diese Situation stehen heute relativ
gut verträgliche Chemotherapeutika zur Verfügung.
Für jeden Patienten muss individuell das für ihn beste Therapie -
konzept erstellt werden. Das bedarf besonderer ärztlicher
Kenntnisse und Erfahrungen mit der Krebsbehandlung und dem
Umgang mit Zytostatika. Häufig wird die einzuschlagende Therapiemodalität
interdisziplinär entschieden, das heißt onkologisch
erfahrene Ärzte der verschiedenen Therapierichtungen besprechen
gemeinsam das für den Patienten jeweils beste
therapeutische Vorgehen.
Hormontherapie
Prostatakrebszellen benötigen zum Wachstum das männliche
Geschlechtshormon Testosteron, eine Erkenntnis die 1966 mit
dem Nobelpreis belohnt wurde. Unterbindet man die Testosteronbildung,
entzieht man den Tumorzellen der Prostata einen Großteil
ihrer Nahrung. Hier setzt die Hormontherapie an. Sie hemmt die
Bildung bzw. Wirkung des männlichen Geschlechtshormons
Testosteron - also des Hormons, welches das Wachstum eines
bereits vorhandenen Prostatakrebses fördert.
Der Hormonentzug führt zwar in den seltensten Fällen zu einer
völligen Rückbildung des Prostatakarzinoms, jedoch sehr häufig zu
einem Stillstand des Fortschreitens. Dieser Wachstumsstillstand kann
sehr lange dauern.
Wenn der Patient einer Hormontherapie
unterzogen wird, wird der Spiegel männlicher Hormone gesenkt. Dieses Absenken des Hormonspiegels
kann alle Zellen des Prostatakarzinoms beeinflussen,
auch wenn sie sich schon in andere Teile des Körpers ausgebreitet
haben.
Es gibt mehrere Formen der Hormontherapie. Sie kann aus der
chirurgischen Entfernung von hormonproduzierenden Drüsen (dem
Hodengewebe) bestehen. Diese Operation, genannt Orchiektomie,
beseitigt die Hauptquelle der männlichen Hormone.
Eine andere Form der Hormontherapie ist die Anwendung eines
Agonisten des Hormons, der das luteinisierende Hormon (LH) freisetzt
(Luteinizing Hormone-Releasing Hormone = LHRH).
Dieser Wirkmechanismus zur Unterdrückung des Testosterons ist
nicht einfach zu verstehen: Körpereigenes LHRH wird beim Gesunden
stoßweise über Gehirnzellen in die Blutbahn abgegeben und
bewirkt eine Freisetzung des luteinisierenden Hormons (LH) aus der
Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). LH wiederum fördert die Testosteronproduktion
im Hoden. Wird nun dem Körper ein LHRH-ähnlicher Wirkstoff,
ein sog. LHRH-Analogon (Analogon = gleichartiger
Aufbau) dauerhaft zugeführt, so erlahmt der normale, auf stoßweise
Impulse angewiesene Mechanismus und die Produktion von
Testosteron hört auf. Ein LHRH-Agonist als Medikament verhindert
also die Produktion des Testosterons durch die Hoden.
Eine weitere Wirkstoffgruppe zur Hormontherapie sind die Antiandrogene.
Antiandrogene unterbinden nicht die Hormonproduktion selbst, sondern
die Wirkung von Hormonen. Antiandrogene werden häufig zu Beginn einer Hormonentzugstherapie mit LHRH-Analoga
eingesetzt. Zu Beginn einer Hormonentzugstherapie mit LHRHAnaloga
kommt es regelmäßig zu einem kurzfristigen Anstieg des
Testosteronspiegels, was zu einer vorübergehenden Verstärkung
bestimmter Krankheitssymptome (z. B. Auftreten oder Zunahme von
Knochenschmerzen, Harnwegsverengung, Muskelschwäche u. a.)
führen kann. Diese Zunahme der Beschwerden geht üblicherweise
spontan zurück. Eine zusätzliche Gabe eines Antiandrogens zu
Beginn der Therapie kann diese Symptome abschwächen.
Eine andere Behandlungsmöglichkeit ist die dauernde zusätzliche
Gabe von Antiandrogenen. Nach Orchiektomie oder Behandlung
mit einem LHRH-Agonisten wird im Körper kein weiteres Testosteron
mehr in den Hoden gebildet. Die Nebennieren jedoch produzieren
weiterhin kleine Mengen von männlichen Hormonen. In einigen
Fällen kann man dem Patienten zusätzlich ein Antiandrogen
geben, um auch diese restliche Hormonwirkung zu unterbinden.
Diese Behandlungskombination nennt man eine maximale oder
komplette Androgenblockade.
Bei einer weiteren Therapieform erhält der Patient das weibliche
Hormon Östrogen, um der Produktion von Testosteron in den
Hoden entgegenzuwirken.
Das Wachstum und die weitere Verbreitung der Krebszellen des
Prostatakarzinoms können mit Hilfe der Hormontherapie für eine
bestimmte Zeit, oft über mehrere Jahre, zum Stillstand gebracht
werden.
Einige Prostatakarzinome besitzen jedoch die Fähigkeit, trotz eines
Mangels an männlichen Hormonen weiterzuwachsen oder erlangen
diese Fähigkeit im Laufe der Zeit wieder. Wenn dieser Fall
eintritt, ist die Hormontherapie unwirksam, und der Arzt muss
andere Behandlungsformen vorschlagen. Eine solche Behandlungsform
kann zum Beispiel eine Chemotherapie sein.
Bisphosphonate
Bisphosphonate lagern sich in den Knochen ein, machen ihn widerstandsfähiger und verhindern den Abbau der Knochensubstanz. Diese Substanzen bedeuten einen großen Fortschritt in der Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. Bisphosphonate lindern Schmerzen und verringern Skelettkomplikationen bei einem Knochenbefall durch das Prostatakarzinom. Sie reduzieren das Risiko für Knochenbrüche und können eine Senkung des krankhaft erhöhten Kalziumspiegels herbeiführen. Auch bei hormonell behandelten Patienten kann wahrscheinlich das Osteoporoserisiko durch eine begleitende Bisphosphonattherapie reduziert werden.
Alternative Methoden: HiFu, Kryo- und Lasertherapie
Bei einigen neuen Verfahren wird derzeit geprüft, ob sie sich
zur dauerhaften Heilung eines Prostatakrebses eignen. Zu diesen Methoden
gehören:
Hoch fokussierter, intensiver Ultraschall (HIFU), das Abtragen der
Geschwulst durch Kälte (Kryo-Ablation), und der Lasereinsatz.
Bei allen genannten Methoden wird eine Entfernung des Tumorgewebes
durch physikalische Mittel (Ultraschall, Kälte, Laser) versucht.
Der Vorteil dieser Behandlungen besteht in einer niedrigen Nebenwirkungsrate
und der Möglichkeit einer wiederholten Anwendbarkeit. Der Nachteil
liegt darin, dass auch diese Methoden nur zur Behandlung von Tumoren
geeignet sind, die auf die Prostata begrenzt sind und sich nicht bereits
in umliegendes oder entfernter gelegenes Gewebe ausgebreitet haben.
Leider werden diese Behandlungsmethoden zwar bereits als Alternative
zur radikalen Prostataoperation oder Bestrahlung beworben, ihre Wirksamkeit
und Gleichwertigkeit als Heilungsmethode ist aber noch nicht langfristig
bewiesen.
Im Gegensatz zu allen oben genannten lokalen (örtlich begrenzten)
Therapieverfahren stehen sogenannte systemische, meist medikamentöse
Behandlungen, die auf den ganzen Körper wirken und damit auch
Krebszellen außerhalb der Prostata erreichen können. Sie
werden meist zusätzlich zu lokalen Verfahren eingesetzt, oder
wenn der Prostatakrebs bereits zu weit fortgeschritten ist. Beim fortgeschrittenen
Prostatakrebs wird häufig zunächst die Hormontherapie durchgeführt.
Auch eine Kombination der Hormontherapie mit der Strahlentherapie wird
oft angewendet. Damit verbunden ist eine bessere Wirkung der Bestrahlung
selbst.
Die medikamentöse Behandlung während und nach der Bestrahlung
kann zusätzlich Karzinomzellen abtöten, die von den Strahlen
nicht zerstört worden sind.





